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13.02.2012 11:03 Alter: 3 Jahre

Berzdorfer See – wichtige Entwicklungsimpulse durch § 4

Was sich hier technisch oder bürokratisch anhört, ist ein wichtiger Schlüssel, um unsere Bergbaufolgelandschaften zu attraktiven Freizeit- und Erholungsgebieten umgestalten zu können. Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist eine funktionierende Infrastruktur, durch die es erst möglich wird, die Seen und ihr Umfeld nutzen zu können.
Die finanzielle Grundlage dafür findet sich im § 4 des Verwaltungsabkommens der Länder zur Braunkohlensanierung, durch welches die finanziellen Mittel für die Tagebausanierung gesichert werden. Im Paragraf 4 sind die Gelder eingestellt, die zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards, vor allem für eine tourismusrelevante Infrastruktur, verwendet werden können. Im derzeitigen Abkommen mit seiner Laufzeit bis Ende 2012 wurden für die ostsächsische Bergbaufolgelandschaft rund 45 Millionen Euro eingestellt. Den Vertretern des Planungsverbandes Berzdorfer Sees war es in den letzten Jahren gelungen, 6,1 Millionen. Euro für Maßnahmen und Projekte an unserem See zu binden. Träger der Maßnahmen sind die Kommunen, die auch den Eigenanteil an der Finanzierung bereit stellen müssen. Zwischen der jeweiligen Kommune und der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) wird vertraglich die Realisierung der Projekte durch die LMBV gesichert, die als Projektträger für die Verwendung der Mittel des Freistaates verantwortlich zeichnet.
Was wurde mit diesem Geld bisher am Berzdorfer See gebaut?
Bereits vor der Jahrtausendwende wurde die Brücke über Pließnitz zur Anbindung von Kiesdorf und das Hafenbecken mit den Trägern der Hauptstege auf diesem Wege finanziert und hergestellt.   

In den darauffolgenden Jahren wurden viele Maßnahmen vorbereitet, konnten jedoch nicht immer sofort realisiert werden. 2007 wurde eine Trinkwasserleitung zur Sachsenhütte und 2008 der Aussichtsturm auf der Neuberzdorfer Höhe realisiert.
 
In den darauf folgenden Jahren, insbesondere 2010 und 2011, wurden weitere wichtige Maßnahmen fertig gestellt, die insbesondere für die Erreichbarkeit des Sees und die Bewältigung des Verkehrsaufkommens von großer Bedeutung sind. Dazu gehören die Straßeninstandsetzung der Berzdorfer Straße in Tauchritz, der Bau weiterer Teilabschnitte des Rundweges, die Anbindung des Neißeradweges an den Berzdorfer See in Hagenwerder und an der Zufahrt nach Deutsch-Ossig, der Parkplatz 3 – Deutsch Ossig und der Parkplatz 9 an der Kirschallee in Jauernick-Buschbach sowie der Bau der vier Bootsanlegestege (Blaue Lagune,   
       
Neundorfer Weingarten, Ferblick und Deutsch-Ossig). Die Bootsanlegestege können jedoch erst genutzt werden, wenn die LMBV die Flutung des Berzdorfer Sees beendet hat und der Endwasserstand im See erreicht ist, denn dafür sind sie baulich ausgelegt.
In den letzten beiden Jahren standen insbesondere die Baumaßnahmen zur Anbindung und Fertigstellung des Hafens im Mittelpunkt der baulichen Aktivitäten. Dabei stellte die Erschließung des Hafens - Bau der Zufahrtsstraße mit Radweg und Beleuchtung, Verlegung von Trink- und Schmutzwasserleitung – eine große bauliche und finanzielle Herausforderung dar.
 
Im gleichen Zeitraum wurden die Arbeiten zur Fertigstellung des Hafens – Bau der Slipbahnen, der Bootsanlegestelle und der Hauptstege – begonnen und fertig gestellt. Lediglich Fertigstellung der Beplankung der Hauptstege erstreckt sich in das Jahr 2012.
  
Damit wurden die grundlegenden technischen Voraussetzungen geschaffen, dass im Jahr 2012 der Hafen erstmals genutzt werden kann unter der Voraussetzung, dass alle erforderlichen Genehmigungen werden erteilt. Mit der Beauftragung der Wohnungsbaugesellschaft Görlitz mbH (WBG) zur Entwicklung des Wassersportzentrums am Berzdorfer See hat der Stadtrat am 26. Januar 2012 eine wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung in diesem für die Nutzung des Sees besonders bedeutsamen Bereich getroffen.
Am 8. Februar 2012 soll im Technischen Ausschuss die Planung zur äußeren Erschließung des Nordoststrandes und von Deutsch-Ossig beauftragt werden. Diese beinhaltet die Herstellung des Trink- und Schmutzwasseranschlusses sowie die Errichtung einer Toilettenanlage am Nordoststrand.

„Dieser Entwicklungsprozess war aber für alle Beteiligten nicht immer einfach, da zwischenzeitlich immer wieder die Prioritäten der verschiedenen Maßnahmen hinterfragt und teilweise neu gesetzt werden mussten, denn mehr als diese 6,1 Millionen Euro konnten bisher nicht in Aussicht gestellt werden.“, erläutert der Vorsitzende des Planungsverbandes „Berzdorfer See“ Joachim Paulick und führt weiter aus: „Im Gegenteil, die für die äußere Erschließung des Nordstrandes und von Deutsch-Ossig sowie für den Bau eines Parkplatzes am Wassersportzentrum eingeplanten Gelder wurden in der zweiten Jahreshälfte 2011 durch den Freistaat dem § 4-Budget entzogen und für Maßnahmen der Gefahrenabwehr (Grundbrüche usw.) zur Verfügung gestellt.“

Ob diese und zusätzliche Mittel in dem nächsten Verwaltungsabkommen ab 2013 zur Verfügung stehen werden, ist bisher offen. Die Landräte der Kreise Bautzen und Görlitz sowie die Oberbürgermeister von Görlitz und Hoyerswerda haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an den Freistaat gewandt und vor dem Hintergrund der strukturellen Veränderungen in der Bergbaufolgeregion die weitere Bereitstellung finanzieller Mittel im § 4 eingefordert.

Noch ist die Sanierung nicht abgeschlossen, denn erst dann werden Einschränkungen durch notwendige Sanierungstätigkeiten der Vergangenheit angehören. Doch die zahlreichen Besucher, auch aus den Nachbarländern Polen und Tschechien, haben 2011 gezeigt, dass es sich lohnt, in die Infrastruktur und den Tourismus am See zu investieren. „Es gibt noch viel zu tun in Sachen Sanitär, Beherbergung, Gastronomie, Sport und Freizeit – aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass in den letzten Jahren bereits sehr viel in die touristische Zukunft des Berzdorfer Sees investiert wurde. Die Voraussetzungen für private Investitionen liegen größtenteils vor, nun ist mehr denn je privater Unternehmergeist gefordert.“, so der Planungsverbandsvorsitzende abschließend.